Photobiologische Grundlagen
Dipl.Ing. K. Walter, Wien
Es war in den 80-er Jahren als
T. Karu begann, nach dem photobiologischen „Empfänger"
auf Zellebene zu suchen. In einer Reihe von
hervorragenden Publikationen (die größtenteils
zu einem Buch zusammengefaßt wurden) konnte sie
beweisen, daß die Hauptphotoakzeptoren die
Enzyme der Atmungskette in den Mitochondrien
sind.
Die Stimulation der
Atmungskette
Abb. 1: Der Stoffwechsel des
Menschen
Um exakt verstehen zu können,
wo die Laserstrahlung dort eingreift, werden
kurz die Vorgänge in der Atmungskette erklärt:
Die Atmungskette, auch Elektronentransportkette
und oxidative Phosphorylierung genannt, stellt
den letzten Schritt im menschlichen Stoffwechsel
dar: Die komplexen Metaboliten unserer täglichen
Nahrung, wie Kohlenhydrate, Lipide und Proteine
werden zunächst zu ihren monomeren Einheiten,
vor allem Glukose, Fettsäuren, Glycerin und
Aminosäuren und anschließend zu ihrem
gemeinsamen Zwischenprodukt, Acetyl-Coenzym A
(Acetyl-CoA), abgebaut. Im Citronensäure-Cyclus
wird Acetyl-CoA durch O2 zu CO2
oxidiert, wobei gleichzeitig die Coenzyme NAD+
and FAD zu deren energiereichen
Zwischenprodukten NADH and FADH2
reduziert werden. Im letzten Teil dieses
Stoffwechsels, genannt Elektronentransport und
oxidative Phosphorylierung, werden diese
energiereichen Zwischenprodukte durch O2
reoxidiert, d.h. Elektronen werden von NADH oder
FADH2 auf den Sauerstoff O2
übertragen, der dadurch und durch die Aufnahme
von 2 Protonen H+zu H2O
reduziert wird. Die dabei frei werdende Energie
treibt die Synthese der energiereichen ATP aus
ADP durch Phosphorylierung mit Pi an (Abb.1).
Während sich die Glycolyse im
Cytosol der Zelle abspielt, findet der oxidative
Stoffwechsel (Citronensäurecyclus,
Fettsäureoxidation und Elektronentransport und
oxidat. Phosphorylierung) in den Mitochondrien
statt. Das sind elliptische, im Cytosol
schwimmende Kompartimente (Organellen) mit einer
permeablen äußeren und einer impermeablen, stark
gefalteten, die Enzyme tragenden inneren Membran,
die eine gelartige Substanz, die Matrix,
einschließt (Abb. 2).
Die durch die Oxidation von
NADH und FADH2 gebildeten Elektronen
werden aber nicht direkt auf den Sauerstoff
übertragen, sondern durchlaufen jeweils 3
Proteinkomplexe mit zunehmend größerer
Elektronenaffinität, und zwar
NADH-Coenzym-Q-Reduktase (Succinat-Coenzym-Q-Reduktase
für FADH2),
Coenzym-Q-Cytochrom-c-Reduktase und
Cytochrom-c-Oxidase , die aus Cytochromen,
Flavoproteinen und Eisen-Schwefel-Clustern
bestehen (Abb.2).

Abb.2: Mitochondriale
Elektronentransportkette. Die Elektronen werden
durch das membranlösliche CoQ von Komplex I auf
III übertragen und durch das periphere
Membranprotein Cytochrom-c von Komplex III auf
IV
In einem abwechselnden
Oxidations- und Reduktionsprozeß werden die
Elektronen von einem Komplex zum nächsten und
schließlich auf O2 übertragen. Pro
Elektron, das durch diese
Elektronentransportkette läuft, werden von
diesen Komplexen 3 Protonen H+ aus
der Matrix in den Zwischenmembranraum befördert,
wodurch ein Membranpotential, bzw. ein
pH-Gradient entsteht, der die ATP-Synthese
antreibt. Mit dem Energiegewinn durch den
Rückfall von etwa 3 Protonen H+ in
die Matrix kann ein ATP-Molekül durch
Phosphorylierung von einem ADP-Molekül mit Pi
erzeugt werden (Abb. 3).

Abb.3: Kopplung des
Elektronentransports und der ATP-Synthese durch
die Erzeugung eines elektrochemischen
Protonengradienten über die innere
Mitochondrienmembran. Während des
Elektronentransports wird H+ aus der
Matrix gepumpt, seine exergonische Rückkehr
treibt die ATP-Synthese an
Alle diese Vorgänge laufen
normal auch im Dunkeln und in jeder gesunden
Zelle ab. Wird nun so eine Zelle zusätzlich mit
Licht bestrahlt, werden die Enzymkomplexe durch
die so genannte Photooxidation in ihrem
Redox-Vorgang unterstützt. Photooxidation ist
ein Prozeß, bei dem ein vom Licht angeregtes
Donatormolekül ein Elektron an einen Akzeptor
abgibt und dadurch oxidiert wird, während das
dabei beteiligte Akzeptormolekül reduziert wird.
Dieser Vorgang funktioniert, weil Elektronen im
Anregungszustand weniger stark an das Molekül
gebunden sind als im Grundzustand. Die Energie
absorbierter Photonen wird also chemisch auf die
Redoxzentren der Enzymkomplexe der Atmungskette
übertragen, wodurch letztere leichter oxidiert
bzw. ionisiert werden, und die ATP-Synthese
gesteigert wird. An dieser Stelle soll nochmals
deutlich auf diese Schlüsselstelle der
Licht-Stoffwechsel-Wechselwirkung hingewiesen
werden. Der Begriff Oxidation in der Chemie,
nämlich die Abgabe von Elektronen ist dasselbe
wie die Ionisation in der Physik, wo einem Atom
oder Molekül ebenfalls ein Elektron weggenommen
wird. Daß eine Ionisation von einem (durch Licht)
angeregten Energieniveau aus leichter bzw.
wahrscheinlicher ist, ist allgemein bekannt.
Die Abhängigkeit der
lichtstimulierten ATP-Synthese von der
Wellenlänge des eingestrahlten Lichts wird durch
die Absorptionseigenschaften (die sich im
oxidierten oder reduzierten Zustand geringfügig
ändern) der Einzelkomponenten, der
Enzymkomplexe, hauptsächlich der Cytochrome,
bestimmt.
T. Karu nahm z.B. das
Aktionsspektrum der DNA-Synthese von im
exponentiellen Wachstum befindlichen HeLa-Zellen
bei Bestrahlung im sichtbaren
Wellenlängenbereich auf: (Abb.4)
Abb. 4: Aktionsspektrum der
DNA-Syntheserate bei sichtbarer
monochromatischer Strahlung von exponentiell
wachsenden HeLa Zellen für Energiedichten von
10 J/m² und 100 J/m², gemessen 1,5 h nach der
Bestrahlung
Diese Daten zeigen, daß es
zwei Gruppen von spektral empfindlichen
Bereichen gibt. Einer deckt den nahen
ultravioletten und sichtbaren blauen
Wellenlängenbereich von ungefähr 350 - 450 nm
ab, und der zweite umspannt den sichtbaren roten
und nahen Infrarotbereich von etwa 600 - 830 nm.
Mit vielen solchen Experimenten mit
prokaryontischen und eukaryontischen Zellen
konnte T. Karu zeigen, daß im blauen
Wellenlängenbereich die Flavoproteine (Abb. 5)
der Reduktasen (Dehydrogenasen) und im roten
Wellenlängenbereich die Semichinon-Form der
Flavoproteine der Reduktasen (Dehydrogenasen)
und das Cytochrom a/a3 (Abb.6) der
Cytochrom-c-Oxidase die Lichtrezeptoren sind.
Solche Untersuchungen werden dadurch
erleichtert, daß es ein Prinzip der Photochemie
ist, daß ein Aktionsspektrum immer dem Verlauf
des Absorptionsspektrums des lichtabsorbierenden
Moleküles widerspiegelt.
Mit solchen Untersuchungen
konnte in Übereinstimmung mit den klinischen
Erfahrungen gezeigt werden, daß für eine
maximale Stimulation nicht nur die Energiedichte
in einem bestimmten Bereich liegen muß, sondern
auch die Leistungsdichte und damit die
Bestrahlungszeit. Besonders interessant ist
dabei, daß die in angegebenen optimalen
Bestrahlungsparameter mit den klinischen
Erfahrungen gut übereinstimmen.
Abb. 5: Absorptionsspektrum von
Flavoproteinen
Abb. 6: Absortionsspektrum von
Cytochrom a/a3
Warum bewirkt die
Stimulation der Atmungskette eine verstärkte
Zellproliferation?
Die Antwort ist einfach:
Lichtinduzierte Zunahme der ATP-Synthese und
Aufbau des Protonengradienten führen zu einer
verstärkten Aktivität der Na+/H+-
und Ca2+/Na+- Antiporter
und aller ATP-getriebenen Ionencarrier, wie z.B.
die Na+/K+-ATPase und die
Ca2+- Pumpen. Da ATP das Substrat für
die Adenylylcyclase ist, steuert der ATP-Spiegel
auch den cAMP-Spiegel. Sowohl der Ca2+-
und der cAMP-Spiegel stimulieren die DNA- und
RNA-Synthese, was zu einer höheren
Zellproliferation führt. Diese sogenannte „Lichtsignalübertragungskette",
erstmals von T. Karu aufgestellt, zeigt Abb. 7.
Abb. 7: Lichtsignalübertragungskette,
aufgestellt von T. Karu und verändert von
K.C.Smith
Es soll hier vielleicht
nochmals betont werden, daß cAMP und Ca2+
sehr wichtige sekundäre Botenstoffe sind.
Besonders Ca2+ steuert fast alle
Prozesse im menschlichen Körper (Muskelkontraktion,
Blutgerinnung, Signalübertragung bei den Nerven,
Genexpression usw.).
Aus Sicht eines Low Level
Laser Therapie (LLLT)-Anwenders taucht natürlich
die Frage nach der „richtigen" oder optimalen
Wellenlänge auf. Obwohl die Ergebnisse aus Abb.
4 zeigen, daß im nahen UV- und Blaubereich
dasselbe Stimulationsergebnis wie im roten und
infraroten Bereich mit einer um den Faktor 10
niedrigeren Energiedichte erzielt wird, ist es
besser einen Rotlichtlaser zu verwenden. Der
Grund ist der, daß man auch die Eindringtiefe in
den Körper, die ja stark wellenlängenabhängig
ist, berücksichtigen muß. Hier sind im
wesentlichen 2 Schichten: die Haut und das
Gewebe. Während im Infraroten die Haut etwas
besser durchlässig ist, ist die Eindringtiefe im
lebenden menschlichen Gewebe im sichtbaren Roten
etwas höher (Abb. 8).
Abb. 8 zeigt ganz deutlich,
daß die maximale Transmission bei etwa 700 nm
liegt, während sie im blauen Bereich um etwa 5
Zehnerpotenzen abfällt.(O.D. steht für optische
Dichte, große O.D. kleine Transmission und
umgekehrt). Die Verwendung des blauen
Wellenlängenbereiches ist daher nur bei
oberflächlichen Anwendungen sinnvoll.
Da der Wellenlängenbereich von
670 - 690 nm den Redoxvorgang einiger
Zwischenstufen der Atmungskette etwas
begünstigt, sollen moderne Therapielaser mit
diesen Wellenlängen ausgestattet sein. Jetzt,
nach etwa 6 Jahren klinischer Erfahrung von etwa
1000 Therapeuten zeigt sich, daß mit diese
Wellenlängen auch bessere Ergebnisse als mit den
He-Ne-Lasern (632,8 nm) erzielt werden.
Abb. 8: Absorptionsspektrum einer
lebenden menschlichen Hand
Da es genug Studien gibt, die
bestätigen, daß man auch mit Lasern im
Infraroten (750 - 1000 nm) Therapieerfolge (wenn
auch deutlich schwächere) erzielt, tauchte die
Frage nach den Infrarotmechanismen auf. K.C.
Smith versuchte, in einer seiner Publikationen
eine Erklärung dafür zu geben. Er behauptet, daß
sichtbare Strahlung aufgrund der höheren
Quantenenergie photochemische Veränderungen
(Stimulation der Atmungskette) bewirkt, während
die Infrarotstrahlung photophysikalische
Effekte, wie z.B. Molekülrotationen und
Vibrationen, die die Eigenschaften der
Zellmembranen beeinflussen, bewirkt. Er ergänzte
daher die von T.Karu vorgeschlagene
Photosignalübertragungskette in der Weise, daß
die IR-Strahlung die Stoffwechselkaskade durch
photophysikalische Effekte an den Membranen,
möglicherweise bei den Ca2+ Kanälen,
beeinflußt (Abb. 7). Das ist zwar eine sehr
plausible Erklärung, doch ist es
unwahrscheinlich, daß es eine scharfe Grenze
zwischen den Wirkungsmechanismen im sichtbaren
und infraroten Spektralbereich gibt. Daß nämlich
auch eine direkte Anregung des Cytochroms a/a3,wenn
auch viel schwächer, möglich ist, zeigt Abb. 6.
Das zeigen auch die oben erwähnten klinischen
Ergebnisse: Mit zunehmender Wellenlänge werden
die Stimulationsergebnisse schwächer bzw. die
erforderlichen Leistungs- und Energiedichten
größer.
Eine andere Frage wäre
natürlich auch, inwieweit physikalische
Veränderungen in der Zellmembran noch den für
die LLLT typischen regulativen Charakter haben
können wie bei der Stimulation der Atmungskette.
Das ist ein Bereich, wo noch viel untersucht
werden muß!
Stimulation der
Immunantwort
Ein weiterer wichtiger Effekt
der LLLT ist die Stimulation bzw. Regulation der
Immunantwort. Es war einmal mehr T. Karu die
herausfand, daß die Laserstrahlung die Erzeugung
von Sauerstoffradikalen wie das Superoxid-Anion
O2.-, Wasserstoffperoxid H2O2,
Hydroxyl- radikal HO. und
Singulett-Sauerstoff 1O2
verstärkt oder abschwächt. Diese Untersuchungen
wurden an Kulturen mit
Maus-Splenozyten-Suspensionen durchgeführt und
die Menge von Sauerstoffradikalen über die
Messung der Chemilumineszenz gemessen. Auch hier
zeigte sich, daß die LLLT eine
Regulationstherapie ist: Je nach der
Zellzusammensetzung der Splenozyten-Suspension
wurde die Radikalbildung verstärkt oder
abgeschwächt. Während die Radikalbildung mit
zunehmender Zahl an Plasmazellen, neutrophilen
Granulozyten. Myelozyten und Metamyelozyten
steigt, wirkt eine hohe Anzahl von Lymphozyten
Radikal vermindernd (Abb. 9, 10). Da die
Zellzusammensetzung sich mit dem pathologischen
Zustand des Körpers ändert, wird klar, wie die
Laserstrahlung die Immunantwort regulieren kann.
Für die Entstehung der
Sauerstoffradikale und damit auch für den Ort
der Stimulation gibt es zwei Möglichkeiten: Und
zwar den Phagozytose-induzierten NADPH-Burst
(respiratorischer Ausbruch), der durch die
Aktivierung des NADPH-Oxidase-Systems in den
Makrophagen oder neutrophilen Granulozyten
entsteht, und die Bildung von Radikalen im
oxidativen Stoffwechsel der Mitochondrien
(Atmungskette). Im ersten Fall ist die
Semichinonform der Flavoproteine der NADPH
-Oxidase und im letzten das Cytochrom a/a3
der mögliche Lichtrezeptor für die sichtbare
rote Strahlung.
Abb. 9: Verstärkung der Radikalbildung
Abb. 10: Reduktion der
Radikalbildung
Da die durch die
Laserstrahlung verstärkte Radikalbildung um etwa
eine Größenordnung kleiner ist als die bei der
Abwehr von Mikroorganismen
Phagozytose-induzierte Radikalbildung, nimmt man
derzeit an, daß die Radikale hauptsächlich im
letzten Teil der Atmungskette entstehen. Es muß
hier aber angemerkt werden, daß die Erforschung
der Radikalentstehung in der Medizin überhaupt
erst am Anfang steht und Radikale direkt gar
nicht gemessen werden können. Man muß dabei
immer noch den Umweg über die Chemilumineszenz
gehen.
Radikale, die bei jeder Art
der Stoffwechseaktivität entstehen können, sind
prinzipiell nicht schlecht für den Organismus.
Es muß nur deren Erzeugung und Zerstörung in
einem Gleichgewicht stehen. So ist z.B. H2O2,
ein notwendiges Substrat für die Peroxidasen,
die eine wichtige Funktion in der Entgiftung des
Organismus erfüllen. Würde alles H2O2
in den Peroxisomen durch Katalase zu H2O
neutralisiert werden, ginge ein wichtiger
Schutzmechanismus verloren. Auch hier wird
einleuchtend wie und warum Laserstrahlung
regulierend wirken kann.
Betrachtet man Abb. 9 und Abb.
10, die die Stimulation bzw. Reduktion der
Radikalbildung in Abhängigkeit von der Zeit nach
der Bestrahlung und der Wellenlänge angeben, so
sieht man daß, wie bereits mehrfach erwähnt, im
sichtbaren Wellenlängenbereich sowohl die
Stimulation als auch die Reduktion der
Radikalbildung am stärksten ist, und die Effekte
mit zunehmender Wellenlänge kleiner werden. In
derselben Studie zeigt sich ebenfalls, daß die
LLLT-Effekte auch hier Energiedichte-abhängig
sind und weiters die Stimulation bzw. Reduktion
mit zunehmender Frequenz abnehmen. Auch das
Nichterfordernis einer kohärenten Strahlung
zeigt sich: Die Wellenlänge von 660 nm wurde von
einer superhellen Leuchtdiode und nicht von
einem Laser erzeugt!
Mittlerweile existieren auch
Untersuchungen, daß es bei Bestrahlung mit
He-Ne-Lasern zu ultrastrukturellen Änderungen in
menschlichen Lymphozyten kommt.
Der analgetische Effekt
Die analgetische Wirkung ist
eine klinisch sehr beeindruckender Effekt der
LLLT. Man denke hier nur an das nach etwa einer
Minute nachlassende Spannungsgefühl bei Herpes
labialis oder einer beginnenden Otitis media bei
Kindern. Die Mechanismen sind aber sehr
kompliziert: E.L. Laakso konnte in einer Studie
über die Laser-induzierte Analgesie bei
verschiedenen orthopädischen Erkrankungen mit
chronischen Schmerzen frühere Untersuchungen
bestätigen, wonach es durch die Laserstrahlung
zur Degranulation von Mastzellen mit Freisetzung
von Entzündungsmediatoren und Lymphokinen aus
Makrophagen kommt. Das Lymphokin Interleukin-1
aktiviert über die Freisetzung des
Corticotropinreleasinghormons (CRH) aus dem
Hypothalamus die
Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse. CRH
erreicht nämlich über das portale Gefäßsystem
den Hypophysenvorderlappen und bewirkt dort in
den POMC-Zellen die Freisetzung der
Spaltprodukte des Vorläufer-Polypeptides
Proopiomelanocortin (POMC) nämlich das
Adrenocorticotrope Hormon (ACTH) auch
Corticotropin genannt und die ß-Endorphine.
Während die ß-Endorphine zu einer
Opioidrezeptor- bzw. Licht- vermittelten
Analgesie führen, gelangt ACTH über den
allgemeinen Kreislauf zur Nebennierenrinde, wo
es die Ausschüttung von Cortison (und anderer
Glucocorticoide) und damit eine Immunsupression
und Entzündungshemmung bewirkt. Gleichzeitig
kommt es aber zu einer Rückkopplungshemmung der
CRH-Ausschüttung im Hypothalamus. Zusätzlich
wirkt auch noch Cortison negativ rückkoppelnd
auf die CRH- und ACTH-Ausschüttung. Und damit
greift auch hier der Laser in einen Regelkreis
ein.
Da die Patienten in dieser
Studie über Triggerpunkte bestrahlt wurden,
konnte bewiesen werden, daß ein peripherer
Stimulus mit einem Laser zu einer Stimulation
des Zentralnervensystems und des Immunsystems
führt. Laakso zitiert aber auch eine Studie, die
von der Existenz eines lokalen CRH-Systems
sprechen. Demnach hat die LLLT also einmal mehr
nicht nur eine lokale sondern auch eine
systemische Wirkung. Eine Eigenschaft, die
leider bei „Links-Rechtsvergleich"-Studien immer
wieder übersehen wird und zu „unsignifikanten
Ergebnissen" der LLLT führt.
Eine andere Studie über die
Wirkung der LLLT bei verschiedenen chronischen
Schmerzsymptomen führte J.B. Walker durch. Er
zeigte, daß die Bestrahlung mit einem
He-Ne-Laser zu einem starken Anstieg der
5-Hydroxyindolessigsäure, einem Abbauprodukt des
Neurotransmitters Serotonin, im Harn einige Tage
vor der beginnenden Schmerzlinderung auftritt.
Die, speziell bei chronischen
Schmerzen beeindruckenden Therapieergebnisse,
dürften auch in engem Zusammenhang mit der Lern-
bzw. Gedächtnisfähigkeit von Nervenzellen
stehen. Nach den neuesten Erkenntnissen
reagieren Nervenzellen auf lang anhaltende oder
wiederholt auftretende Reize mit einer
Übererregbarkeit bzw. Spontanaktivität. Diese
Gedächtnisfähigkeit kommt dadurch zustande, daß
die bei Reizweiterleitung an den Synapsen
freigesetzten Neurotransmitter L-Glutamat und
Substanz P in den Nervenzellen die Bildung von
sekundären Botenstoffen wie cAMP und Ca2+
in Gang setzen, die ihrerseits die Genexpression
von erregenden Überträgerstoffen und den
zugehörigen Membranrezeptoren verstärken.
Das „Vergessen" dieser
traumatischen „Information" erfordert nun die
vermehrte Expression inhibitorischer
Rezeptorgene bzw. reduzierte Expression der
exzitatorischen Rezeptorgene. Dieser Vorgang
dauert umso länger, je länger die Nervenzelle in
diem hypersensiblen Zustand war.
Wie oben erwähnt, bewirkt die
lichtinduzierte Zunahme der ATP-Synthese über
die Lichtsignalübertragungskette (Abb. 7) eine
verstärkte Genexpression. Betrifft das nun die
inhibitorischen Übertragungssysteme, so ist die
Funktion einer laserinduzierten Analgesie
einleuchtend.
Am „Vergessensvorgang", das
heißt am Lernen des schmerzfreien Zustandes,
hilft die niedrig dosierte Laserstrahlung auch
durch ihre anderen Effekte mit.
Zu einer Schmerzlinderung
kommt es natürlich auch indirekt durch andere
LLLT-Effekte: Die bei jeder Gewebeverletzung
auftretenden Ödeme üben bekanntlich Druck auf
umliegende sensorische Nervenendigungen aus,
wodurch mitunter starke Schmerzen entstehen.
Durch die stark antiödematöse Wirkung des Lasers
kommt es hier sehr rasch zu einer
Schmerzreduktion und der „Vergessensvorgang"
kann beginnen.
Zusammenfassung
Bleibt man innerhalb des
vorgeschriebenen Leistungsdichtenbereichs von
1 -100 mW/cm², wofür die Gerätehersteller zu
sorgen haben, so hat der Kliniker durch den
regulierenden Charakter der LLLT eine absolut
nebenwirkungsfreie Therapie zu Verfügung. Der
Einstieg ist daher nicht nur problemlos, er
macht auch Spaß, und zwar auch für den Patienten
(Kinder!), denn die LLLT ist nichtinvasiv. Außer
der direkten Bestrahlung der Netzhaut (die bei
sichtbaren Wellenlängen vom Auge durch den
Lidschlußreflex ohnehin verhindert wird) gibt es
keine Kontraindikationen. Der Arzt kann wieder
ruhigen Gewissens neue Therapiekonzepte „ausprobieren".
Wichtig ist vielleicht, daß man auch mit den
Laserstrahlen so sorgsam umgeht wie mit
Medikamenten: Über Toleranzeffekte ist in der
Literatur nichts bekannt, solche sind aber auch
nicht auszuschließen. Daher: Immer mit den
niedrigsten Dosen beginnen, die Dosis kann ja
noch immer während des Therapieverlaufes
gesteigert werden.
Beobachten und Fühlen ist für
alle Regulationstherapien das Wichtigste, denn
trotz der guten Grundlagenforschung ist noch
immer nicht bekannt wieviel Photonen genau
benötigt werden. Ein Laser mit einer Leistung
von nur 1 mW und l = 670 nm emittiert immerhin
3.1015 Photonen /sec.
Alle Therapeuten, die es bei
Verletzungen vielleicht ohne Antibiotika
versuchen wollen, können sich darauf verlassen,
daß die Laserstrahlen die Bildung von
Sauerstoffradikalen zur Immunabwehr stimuliert.